Baustein 3: Freiwillige betriebliche Zusatzversorgungsmöglichkeiten

Freiwillige betriebliche Zusatzversorgungsmöglichkeiten

(Entgeltumwandlung)

Unterscheidung in zwei Haupthandlungsalternativen:

Alternative I

  • Pensionskassen und Direktversicherungen sind in dieser Alternative zusammengefasst
  • Staatliche Förderung pro Jahr der Höhe nach stark begrenzt

Alternative II

  • Unterstützungskasse als Alternative II
  • Staatliche Förderung der Höhe nach grundsätzlich unbegrenzt
Zusatzversorgungskasse: Beiträge steigen
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Freiwillige betriebliche Zusatzversorgung für Ärztinnen und Ärzte

Bisher haben wir uns in unserer Altersvorsorgepyramide für Ärzte mit den Pflichtversorgungen des Versorgungswerkes sowie der Zusatzversorgungskasse auseinandergesetzt.

In diesem Beitrag wenden wir uns nun mit Baustein 3 den freiwilligen betrieblichen Zusatzversorgungsmöglichkeiten zu.

Die Ärztinnen und Ärzte können bei dieser betrieblichen Altersversorgung meist frei entscheiden, ob sie Teile ihrer Bruttovergütung verwenden wollen, um weitere Altersvorsorgebausteine aufzubauen.

Verschiedene freiwillige betriebliche Zusatzversorgungsmöglichkeiten

Bei der freiwilligen Zusatzversorgung werden von den Kliniken meistens drei verschiedene Möglichkeiten angeboten. Das sind die Pensionskasse, die Direktversicherung und die Unterstützungskasse.

Die Direktversicherungen und die Pensionskassen haben wir in der Alternative I zusammengefasst. Das macht Sinn, weil sich diese beiden Wege sehr ähnlich sind und aus steuerlicher Sicht für den Arzt (gemäß § 3 Nr. 63 EStG) identisch behandelt werden, so dass auch die Auswirkungen gleich sind.

Anbieter sind zum einen die Zusatzversorgungskassen (ZVK) sowie die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Diese Einrichtungen nehmen nicht nur Pflichtbeiträge entgegen, sondern offerieren den Ärzten auch freiwillige Altersvorsorgeangebote.

Neben diesen öffentlichen Versorgungseinrichtungen gibt es eine Vielzahl Anbieter aus der Privatwirtschaft, die die Pensionskasse und auch die Direktversicherung im Angebot haben.

In der Alternative II finden Sie die Unterstützungskasse. Eine im Vergleich zur Alternative I steuerlich gänzlich anders behandelte Altersvorsorge. Die öffentlichen Anbieter haben diese Altersvorsorgeform nicht im Angebot, dafür gibt es jede Menge private Anbieter.

Doch aufgepasst! Wenn Sie sich für die falsche Alternative entscheiden, dann riskieren sie Steuervorteile aus der Pflichtversorgung!

Freiwillige Beiträge zur Direktversicherung bzw. zur Pensionskasse kosten Steuervorteile

Ein Teil der Pflichtbeiträge, die im Umlageverfahren erhoben werden, sind laut dem Einkommenssteuergesetz auch für die Ärztinnen und Ärzte steuerbefreit (§ 3 Nr. 56 EStG). Diese Freibeträge (in 2017 sind es beispielsweise jährlich 1.524 Euro) sind für alle gleich und steigen jährlich.

Aber wie wirkt sich das denn aus, wenn zusätzlich freiwillige Beiträge zugunsten der Alternative I, also den Pensionskassen und den Direktversicherungen, gezahlt werden (§ 3 Nr. 63 EStG)?

Nun, hier ist Vorsicht geboten! Denn ein solcher freiwilliger Zusatzbeitrag zu den Möglichkeiten der Alternative I führt dazu, dass der Steuerfreibetrag beim Pflichtbeitrag verloren geht (siehe letzte Satz im § 3 Nr. 56 EStG)!

Freiwillige Beiträge zur Unterstützungskasse gefährden keine Steuervorteile

Wie sieht es im Vergleich dazu bei freiwilligen Zusatzbeiträgen zur Alternative II, den Unterstützungskassen aus?

Diese Beiträge haben keinerlei Auswirkungen auf die Steuervorteile, die auf Umlage-Pflichtbeiträge gewährt werden! Hier gibt es keine Falle, auf die zu achten ist.

Fazit

Im Endergebnis stellen wir fest, dass die von uns beratenen Ärztinnen und Ärzte in den meisten Fällen die Empfehlung erhalten, eine gewünschte zusätzliche betriebliche Vorsorge über die Unterstützungskasse vorzunehmen.

Denn bei Verwendung von Pensionskassen oder Direktversicherungen geht der Steuerfreibetrag der Pflichtbeiträge verloren. Darüber hinaus ist die steuerliche Förderung pro Jahr der Höhe nach begrenzt, so dass die Ärztinnen und Ärzte mit dieser Vorsorgeform ihren Lebensstandard nicht sichern können.

Bei der steuerlichen Förderung für die Unterstützungskasse gibt es fast keine Höchstgrenzen und auch der Steuerfreibetrag bei den Pflichtbeiträgen ist nicht in Gefahr.

Trotzdem ist auch bei der Unterstützungskasse nicht alles eitel Sonnenschein. Dort gibt es Haken und Ösen, die es vor der Entscheidung zu berücksichtigen gilt. Aber aus steuerlichen Gesichtspunkten ist die Unterstützungskasse am sinnvollsten.


Warum die Unterstützungskasse für Sie als freiwillige betriebliche Zusatzvorsorge weiterhin sinnvoll ist, schauen wir uns im nächsten Abschnitt an. Dort erfahren Sie, wie ihr Nutzen zustande kommt und welche Nachteile es gibt.

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Funktionsweise sowie Vor- und Nachteile einer Unterstützungskasse

Die wichtigsten Risiken zur Unterstützungskasse

  • Bei öfteren Arbeitgeberwechseln ist die Unterstützungskasse nur bedingt geeignet
  • Augen auf bei Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung

Die wichtigsten Chancen zur Unterstützungskasse

  • Steuerersparnis kann die Rendite z.B. von 0,9 % auf 3,6 % hochhebeln
  • Staatliche Förderung für die Unterstützungskasse ist fast unbegrenzt
  • Zu Rentenbeginn ist die Wahl zwischen Rente und Einmalkapital grundsätzlich möglich
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Funktionsweise sowie Vor- und Nachteile der Unterstützungskasse

Im vorausgegangenen Beitrag haben wir zunächst untersucht, welche der alternativen Zusatzversorgungsmöglichkeiten in Kliniken für die weitere freiwillige Altersversorgung von Ärztinnen und Ärzten sinnvoll ist. Im Ergebnis haben wir festgestellt, dass die Unterstützungskasse die erfolgversprechendste Variante ist. Grund genug, uns nun mit der Unterstützungskasse etwas intensiver zu beschäftigen, uns ihre Funktionsweise anzuschauen und Vor- sowie Nachteile zu beleuchten.

Beispiel zur Funktionsweise einer Unterstützungskasse – Vorüberlegungen und Annahmen

Die freiwillige Zusatzvorsorge erfolgt dadurch, dass die Ärztin bzw. der Arzt auf Teile ihrer monatlichen Bruttovergütung zugunsten einer betrieblichen Altersversorgung verzichten.

Der Vorteil dieses sogenannten Bruttosparens liegt darin, dass nicht nur der Entgeltverzicht des Arztes in die Altersvorsorge fließt, sondern auch der Teil an Steuern, der ohne Entgeltumwandlung an das Finanzamt geflossen wäre. Schauen wir uns das einmal genauer an einem Beispiel einer Bruttoentgeltumwandlung von monatlich 500 Euro an.

Vorab müssen wir noch ein paar Annahmen treffen:

Unsere Beispielsärztin bzw. unser Beispielsarzt wurde 1968 geboren, ist also 2017 49 Jahre alt. Bis zum 67. Lebensjahr, dem Rentenbeginn, sind es noch 18 Jahre. Er/sie ist verheiratet, kirchensteuerpflichtig und hat eine private Krankenversicherung.

Das Bruttoeinkommen beträgt aktuell jährlich 120.000 Euro.

Beim Renteneintritt zum 67. Lebensjahr werden jährlich 30.000 Euro Versorgungsbezüge aus dem Versorgungswerk erwartet und dazu 9.600 Euro aus der Zusatzversorgungskasse. Pro Jahr in Summe folglich knapp 40.000 Euro.

Erläuterung der Funktionsweise einer Unterstützungskasse an einem Beispiel

Die Klinik zahlt ihren Ärzten das Gehalt von 120.000 Euro jährlich (10.000 Euro im Monat). Die Ärzte verzichten nun auf ein Bruttogehalt von monatlich 500 Euro – so unser Beispiel –, so dass ihr monatliches Brutto anschließend noch 9.500 Euro beträgt.

Diese 500 Euro monatlich bekommen die Ärzte bei normaler Auszahlung (also ohne die  Entgeltumwandlung) nicht vollständig ausgezahlt. Denn das Finanzamt will seinen Anteil in Form von Steuern, der hier reichlich 238 Euro beträgt. Der Rest, knapp 262 Euro, fließt in die Brieftasche der Ärzte.

Doch wie sieht es nun aus, wenn das Geld nicht ausgezahlt sondern in den bAV-Altersvorsorgetopf der Unterstützungskasse fließen soll? Nun, in diesem Fall verzichtet das Finanzamt zunächst auf seine Steuereinnahmen (238 Euro), die gehen in den Altersvorsorgetopf. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Ärzte gleichzeitig auf die Auszahlung ihres Nettogehaltes (262 Euro) verzichten.

Bis zum 67. Lebensjahr sind es noch 18 Jahre, so dass die Entgeltumwandlung 18 Jahre lang, je 12 Monate pro Jahr erfolgen kann. In Summe haben die Ärzte knapp 51.500 Euro Steuern (238 Euro x 12 Monate x 18 Jahre) gespart und knapp 57.000 Euro Eigenbeitrag (262 Euro x 12 Monate x 18 Jahre) gebracht.

Das Geld wird in unserem Beispiel in klassische Versicherungen gezahlt, die in 2017 gerade noch mickrige 0,9% Verzinsung auf die Beiträge garantieren. Nach 18 Jahren kommt dadurch ein Alterskapital von knapp 112.000 Euro zustande.

Auch dieses Geld bekommen die Ärzte nicht komplett ausgezahlt, denn der Staat will nun seinen Anteil, der aber aufgrund des geringeren Gesamteinkommens im Rentenalter nur noch ca. 32.500 Euro beträgt. Der Rest des Einmalkapitals fließt in Höhe von ca. 79.000 Euro an den Arzt.

Allein dadurch, dass 51.500 Euro Steuern gespart wurden und bei der Auszahlung nur 32.500 Euro gezahlt werden müssen, haben Ärzte 19.000 Euro Steuern gespart. Das führt dazu, dass die Gesamtverzinsung nicht 0,9% sondern 3,6% beträgt!

Und diese Erhöhung ist nicht durch eine unsichere Wertentwicklung am Kapitalmarkt sondern allein durch Steuerersparnis aufgrund aktueller Rechtsprechung entstanden!

Wenn statt der klassischen Versicherung alternativ noch innovativere und chancenreichere Produkte verwendet werden, kann das Ergebnis sogar noch höher (allerdings auch tiefer) ausfallen.

Vor- und Nachteile der Unterstützungskassenlösung

Kommen wir nun zu den Vor- und Nachteilen der Unterstützungskasse und beginnen mit den Nachteilen.

Bei einem Arbeitgeberwechsel kann es sein, dass der neue Arbeitgeber die bestehende Unterstützungskasse nicht übernehmen will, weil er eine andere anbietet. Um diesem Problem vorzubeugen, wählen sie sich am besten gleich eine Unterstützungskasse aus, die bei den Arbeitgebern in ihrer Region weit verbreitet ist.

Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, dann kann dieser Umstand Sie Rendite kosten bzw. die Unterstützungskasse sogar unattraktiv machen. Klären Sie also vorher gründlich ab, ob die Unterstützungskasse für Sie sinnvoll ist.

Soweit zu den wichtigsten Nachteilen, kommen wir nun zu den wichtigsten Vorteilen.

Die Beiträge für Ihre Unterstützungskassenversorgung sind der Höhe nach fast unbegrenzt. Die Steuer will das Finanzamt erst bei der Auszahlung haben.

Die Steuerfreibeträge bei der Pflichtversorgung über die ZVK oder VBL sind durch die Unterstützungskasse nicht beeinträchtigt.

Grundsätzlich gibt es bei der Unterstützungskasse die Wahl zwischen einer Einmalkapitalauszahlung und einer lebenslangen Rente. Bei der Rente kann man dann sogar noch mehr Steuern sparen.

Wenn Sie wissen wollen, ob eine Unterstützungskasse und welche für Sie sinnvoll ist oder wenn Sie anderweitige Fragen haben, so kontaktieren Sie uns, wir beraten Sie gern. Nutzen Sie den von der bAV Innovationspartner GmbH angebotenen kostenlosen Kurzcheck.


Wir verlassen nun die betriebliche Ebene der Altersvorsorgemöglichkeiten für Ärzte und wenden uns in unserem nächsten Beitrag den Altersvorsorgemöglichkeiten im privaten Bereich zu. Den Anfang machen dabei die steuerlich geförderten Möglichkeit

Ist die Unterstützungskasse für Sie sinnvoll und wenn ja in welcher Höhe? Welche Unterstützungskasse ist in Ihrer Region am weitesten verbreitet?

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